Folge 11 - Wie wird man Anstaltsleiter? (Sonderfolge)
Shownotes
Habt ihr Fragen oder Anmerkungen? Wir freuen uns auf Eure Nachrichten!
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00:00:00: Hale zusammen,
00:00:01: hier ist Selin.
00:00:02: Ihr kennt mich vielleicht durch die ersten Folgen Kerkermeister
00:00:05: oder auch durch Social
00:00:06: Media- oder unsere Jobmesse Knastkarriere und die geht jetzt in die nächste Runde!
00:00:12: Am Samstag, den Ärzten Mai, im Jahr vor Erheitering.
00:00:16: von zehn bis achtzehn Uhr findet unsere Berufsmesse des
00:00:18: Berliner Justizvollzugs
00:00:19: statt.
00:00:20: Für mehr Infos checkt gern unser Website aus – also
00:00:23: save the date und
00:00:24: wir freuen uns auf
00:00:25: euch!
00:00:29: Ohne Vorurteile.
00:00:31: Arbeiten im Berliner Justizvollzug.
00:00:37: Hallo und herzlich willkommen zur neuesten Folge unseres Podcasts.
00:00:42: Mein Name ist Stefan, ich freue mich dass ihr dabei seid.
00:00:46: Heute haben wir anstelle der eigentlich angekündigten Verwaltungsfolge eine Art Sonderfolge für euch im Programm.
00:00:55: Als unsere Nikolle für diese Verwaltungfolge auf Interviewjagd gegangen ist hat sie unter anderem ein Interview mit ihrem Anstahlsleiter Bill Borchardt aus der Jugend Strafanstalt geführt.
00:01:08: Dieses Gespräch
00:01:10: ist,
00:01:10: wie wir finden so interessant und ausführlich geworden dass wir es auf gar keinen Fall unnötig kürzen wollten und daher fanden das eine eigene Folge.
00:01:20: verdient.
00:01:39: So meine Lieben, jetzt habe ich für mich ein sehr interessantes und aufregendes Gespräch vor mir.
00:01:44: Und zwar habe ich Herrn Borschard unseren Ansteigleiter bei mir zu sitzen.
00:01:49: Also, wer sitzt mir eigentlich gegenüber?
00:01:51: Ganz kurz.
00:01:51: Wer sind Sie?
00:01:52: Ja mein Name ist Bill Borchardt.
00:01:54: ich bin seit Jahrzehnteinzehn Leiter der Jugendstrafanstalt in Berlin.
00:01:58: Bin seit sieben zwanzig Jahren im Berliner Justizverzug tätig.
00:02:02: Bin eigentlich Gebürtiger Nordhahn-Westfale.
00:02:05: Bin neunzehntseinzig geboren Sternzeichenkrebs.
00:02:10: Ich bin Jungfrau.
00:02:11: Gelernter Jurist aus Leidenschaft auch nach so vielen Jahren noch mache Auch den juristischen Anteil meines Brufes sehr gerne.
00:02:20: Ja, das so zu den allgemeinen Daten.
00:02:23: Welche Qualifikationen und Erfahrungen sind denn eigentlich erforderlich um Anstaltzleiter zu werden?
00:02:28: Ja also wenn Sie in denen so nennt man das ja einen höheren Justizdienst eingestellt werden wollen.
00:02:33: und die Leitungsstellen, Anstaltsleiter stellvertretende Anstalte leitungen Das sind alles Stellen im höheren Dienst.
00:02:42: Sie müssen ein Studium gemacht haben.
00:02:44: Ich habe Jura studiert, das muss aber nicht unbedingt Jura sein.
00:02:48: Es werden gerne auch Psychologen genommen.
00:02:50: Es gibt auch Menschen die den Aufstieg aus dem Sozialdienst mal gemacht haben.
00:02:54: Das ist auch möglich.
00:02:57: Da es eigentlich ziemlich breit ist... Es gibt viele Juristen, die halt den Beruf des Anschatzleiters dann nach einer gewissen Zeit übernehmen.
00:03:08: Also das vielleicht zu den Rahmenbedingungen.
00:03:10: Aber auch wenn sie Juriestudiet haben, werden sie ja nicht von nach einem oder zwei Jahren Jurist-Anstattsleiter.
00:03:16: Sie werden eingestellt von der Senatswahlen für Justiz.
00:03:19: Für diese Funktionen irgendwann mal werden natürlich aufgebaut.
00:03:22: man stellt sich glaube ich schon einen auch mit dem Ziel dass ihr irgendwann mal eine Anstattslaten übernehmen können.
00:03:26: Aber vorgesehen ist, dass sie eben viele Jahre erst mal durch unterschiedliche Anstalten geschickt werden.
00:03:31: Unterschiedliche Funktionen wahrnehmen.
00:03:34: Dass die Erfahrungen sammeln... Also meine erste Station zum Beispiel im Herbst-Fahrt-Ausend-Eins war hier in Berlin in der JVA für Frauen.
00:03:42: War auch Justizjahr für die Frauenaufstandsstalt in allen juristischen Belangen also sowohl vorzugsrechtliche Fragen wie auch personalrechtliche fragen.
00:03:50: Also alles was so ein Jurist bearbeiten konnte dieser Behörde an der Jva für Frauen das habe ich gemacht.
00:03:56: Nach bin ich dann nochmal in den offenen Vollzug gegangen, auch als Justizjahr für den Offenvollzug.
00:04:02: Dann war ich noch mal bei der Sinnarztverwaltung und da bin ich nach Tegel gegangen.
00:04:06: Da war ich zwei Jahre Teillandschaftsleiter.
00:04:08: Das war eine sehr wertvolle Erfahrung.
00:04:10: Das möchte ich nicht missen obwohl das von vier bis zwei sechs ist es zwanzig Jahre her.
00:04:15: aber Da denke ich oft noch zurück, Tegel war so ein ganz gutes Lernfeld.
00:04:19: Ich fand immer das man als junger Mensch dort ... Das war ja damals noch.
00:04:23: Wir sind im Herbst und bin dort im Frühjahr in den Frühjahren eingestellt worden.
00:04:28: Also ich hatte zwar eine kleine Erfahrung aber keine große.
00:04:32: Und das fand ich schon auch von der damaligen Anschatzleitung.
00:04:35: Dort gab es viel Vertrauen... Auch viele Verantwortung die man da dran bekommen hat.
00:04:41: Aber das war irgendwie ein gesundes System.
00:04:42: Deswegen denke ich gerne noch zurück!
00:04:44: Ja und wie gesagt, ich war dann noch mal Vorzugsleiter in der Frauenarztanstalt.
00:04:48: Also man fängt irgendwann auch nach einer Teilenschutzleitung oder Bereitsleitung, dass man anfängt vielleicht zu einen Stellvertreteraufgaben wahrzunehmen.
00:04:55: Das war ich für Frauen etwas über ein Jahr in einem zweiten Einsatz.
00:05:00: Und dann nochmal fünf Jahre in der Autofahr des offenen Vorzuges.
00:05:02: Auch als Vorzubsleiter der Einsatz- und stellvertretender Anstoßleiter.
00:05:08: Dann muss man halt gucken!
00:05:10: Es ist nicht so vorgezeichnet.
00:05:11: Keiner sagt im Irgendwann werden sich immer diese oder jede Anstatt leiten.
00:05:13: Da musst du schon auch immer selber so ein bisschen gucken, was interessiert einen.
00:05:17: Aber zwei Sechzehn als das dann hier frei wurde hat mich das schon sehr interessiert.
00:05:20: Ja.
00:05:20: Jetzt sind ja jetzt auch schon von zwanzig Jahren wahnsinn und ordentlich rumgekommen.
00:05:25: Wie sind Sie denn überhaupt im Justizvollzug gelandet?
00:05:27: War das geplant oder war es Zufall?
00:05:30: Also ich habe Jura in Bielefeld studiert und da musste man irgendwann Verwaltungspaktikum machen nannte sich das.
00:05:35: und dann war die Frage ja wo geht man hin?
00:05:38: In einer kleineren Stadt in der Nähe von Bielefeld, da gab es ein Junggefängnis und das kannte ich so weit.
00:05:46: Ich bin in dieser Stadt früher zur Schule gegangen und dieses Gefängnis war uns bekannt als Bewohner an dieser Stadt.
00:05:56: aber irgendwie war es so... Es war wiederum auch nicht so richtig bekannt.
00:06:00: Also man wusste, dass da junge Menschen inhaftiert sind aber was die eigentlich machen wusste eigentlich kein Mensch.
00:06:04: So als ich dann Jurastudio im Bielefeld hatte Ich auch eine Vorlesung meinem Strafverzugs reicht und dann Dann war endlich so das ich so dachte ja mensch Die haben da offensichtlich auch Juristen in so einer es ist ja am Ende ist hier auch ne Behörde Und das interessiert mich schon.
00:06:17: Ich fand diese vorlesungen auch sehr spannend bei dem Da mal im Professor.
00:06:21: und dann dachte ich komm das machst du mal logisch da Mal hin habe ich dann beworben dort für das praktikum bin dann damals rausgegangen dass ich dachte wow Da habe ich damals, glaube ich schon vier Jahre studiert gehabt.
00:06:31: Es hat mir noch mal so einen Auftrieb gegeben, dass sie so dachte, boah dein Beruf passt eigentlich in der Mitte der Gesellschaft.
00:06:37: Juristen können eben auch sowas machen und hab dann eigentlich immer schon gedacht das könnte ich mir durchaus mal vorstellen.
00:06:43: später auch gut.
00:06:44: Dann habe ich meinen ersten Abschluss gemacht beim Erste Staatsexamen Und dann geht man ja als Jurist nochmal ins in die Referendarzeit bevor man seinen zweiten Staatsexam macht Und da gab es dann nochmal die Möglichkeit, eine Wahlstation zu machen.
00:06:57: Dann über drei Monate noch mal in jeder Behörde... Mein Schwerpunkt war auch Staat und Verwaltung.
00:07:02: Und dann habe ich gedacht, komm das probierst du jetzt nochmal?
00:07:05: Als wenn man das erst sechs haben schon hat und dann vor dem zweiten steht, wird man auch schon mehr als Jurist eingesetzt in so einer Behörden.
00:07:11: und dann hab' ich mich eben nochmal beworben.
00:07:14: In Bielefeld, in einem Hörtfahr-Bielefeldpark Weder und hab' dort drei Monate nochmal ne Referendarstation absolviert.
00:07:24: Da wusste ich für mich, das möchte ich später mal machen.
00:07:28: Dann ist es irgendwie Berlin geworden!
00:07:29: Also gab's auch noch kein Internet?
00:07:30: Hat sich eine
00:07:33: Menge entwickelt.
00:07:35: Jetzt haben sie mir schon ein paar Fragen abgenommen die Sie eigentlich schon beantwortet haben.
00:07:39: Welche Stationen waren denn für Sie entscheidend und gab es wirklich so einen Moment wo Sie genau wussten, dass ist genau mein Ding Das will ich, das möchte ich und das werde ich mir auch als Ziel setzen.
00:07:50: Also das waren eigentlich wirklich dieses erste Praktikum im Jugendvollzug in Nordrhein-Westfalen... ...und dann die zweite große Wahlstation noch mal vor dem zweiten Staatsexamen in der JV Biele Fettparkwede.
00:08:06: Da wusste ich eigentlich nicht, dass es so beides bedient hat, was ich als Juristianne machen möchte,... Ich finde jeder, der im Justizvorzug arbeitet, der muss schon auch, finde ich so ein bisschen gesellschaftspolitisches Verständnis von dem Aufgabenfeld haben.
00:08:26: Der muss eben schon... Also man hört das ja ganz oft, dass auch in Bewerbungsgesprächen gesagt wird, Ja, ich arbeite ebenso gerne mit Menschen.
00:08:32: Das sagen
00:08:33: die alle nur
00:08:33: so?
00:08:33: Das sagen alle!
00:08:36: Ich glaube, dass sagen alle in jedem Vorsitzungsgespräch auf dem Einzelnen.
00:08:40: Also ich glaube, ich habe das mit jedem Vorsichtsgesprich.
00:08:42: Ich arbeite unheimlich gerne mit Mendien zusammen.
00:08:44: Aber vielleicht sind es auch nur die, die das eben tun, die zu uns kommen?
00:08:47: Weiß ich jetzt nicht... aber ich gebe dir natürlich recht diese Aussage
00:08:50: ist ein
00:08:51: bisschen zu wenig.
00:08:53: Ich würde das eher so formulieren man muss ein bisschen gesellschaftspolitisches Verständnis für die Tätigkeit haben, indem man diesen Berufsfeld in welchem man da arbeiten will und das gilt nicht nur für Juristens, es gilt eigentlich für jeden Beruf.
00:09:04: Also jeder auch im Allgemeinen Vorzugsdienst, auch die Krankenpflegerinnen und Krankenpflege, die Werkmeisterin und Werkmaster, Sozialarbeiterinnen, sozialer Psychologen.
00:09:14: Alle müssen irgendwie nicht nur sagen ich bin eben gerne jetzt Psychologin und arbeite Therapiere gerne Menschen, die im Gefängnis sind sondern sie müssen uns schon eben auch irgendwie finde ich sehen in welcher Lebenssituation diese Menschen sind.
00:09:26: Das betrifft auch unsere Kolleginnen und Kollegen im allgemeinen Verzuchsdienst Die finde ich da eine wesentliche Mittlerrolle haben.
00:09:34: Wenn es gut läuft, darf auch viel Ruhe reinbringen können.
00:09:37: Die ein bisschen Zuversicht geben können die trösten können, die natürlich auch darauf achten müssen dass es da keine Übergriffe gibt das da nicht Drogen geschmuggelt werden.
00:09:45: Das gehört alles dazu.
00:09:46: Sehr vielfältig.
00:09:47: Aber das gesellschaftspolitische gehört eben auch dazu.
00:09:50: jeder von uns der hier irgendwie ist und das hat mich damals irgendwie gereizt weil ich finde schon gerade auch im Jugendvollzug natürlich geht's schon auch darum zu sagen Es kann ja nicht hier die einzige Alternative sein Menschen einzusperren Und was kommt denn dann danach so?
00:10:02: Da sind wir natürlich hier gerade im Jugendvollzug sehr privilegiert, weil wir mit Menschen arbeiten, wo wir durchaus auch die Erwartung haben dürfen.
00:10:10: Dass da noch viel Gutes kommen wird.
00:10:13: Aber so dieser Anknüffungspunkt in die Gesellschaft.
00:10:18: Auch Menschen zu helfen, ich finde das nicht ehrenröhrig zu sagen.
00:10:20: Ich möchte einfach Menschen helfen.
00:10:22: Man muss immer was haben, was einen motiviert.
00:10:24: Der Künstler freut sich über seine Kreativität oder das gibt ihm irgendwie so Motivation und unsere Motivations ist eben dass wir hier in der Gesellschaft einen guten Job machen und dass wir Menschen versuchen zu helfen da aus einer schwierigen Lebensphase wieder rauszukommen wenn sie das dann auch wollen.
00:10:42: Also für mich jetzt auch eine sehr komische Frage.
00:10:44: Was machen Sie den ganzen Tag, was man von außen nicht sieht?
00:10:46: Beziehungsweise wie treffen sie Entscheidungen die für viele Menschen wichtig sein könnten und wie gehen sie vor allem mit Druck- und Kritik um?
00:10:53: Ja also Druck-und Kritik ist ja immer ganz ans Ende.
00:10:56: das ist ne spannende Frage.
00:11:00: Manchmal fahre ich mich das aus, auch macht man eigentlich den ganzen Tag.
00:11:02: Wir haben ja wenn jeder der so ein Verwaltungsjob macht.
00:11:04: er hat natürlich so ein bisschen den Nachteil dass man am Abend einmal denkt was habe ich eigentlich wirklich sinnvolles heute eigentlich getan?
00:11:10: Der normale Tag beginnt hier so ich würde mal sagen gegen neun Uhr manchmal ein bisschen früher, manchmal auch ein bisschen später je nachdem nennt man gleichzeitig.
00:11:20: Also ich habe hohen Respekt vor den Kolleginnen und Kollegen die hier im Schicht- und Wechseldienst sind.
00:11:26: Ich gebe offen zu der Frühdienst schon ab sechs Uhr erst um sechs Uhr hier sein muss, ja dann auch schon aufstehen.
00:11:31: Man sollte auch schon mal gefrühstückt haben und da muss man noch sich ins Auto setzen.
00:11:34: also ich höre immer von den Kollegen der Tag geht oft schon um vier halbvierlos je nachdem wo er wohnt bei ihnen um vier.
00:11:40: also wirklich hohen Respekt.
00:11:41: ja meins wäre das tatsächlich nicht.
00:11:43: ich bin habe eher so eine also wie gesagt die gleichzeitig kommt mit uns schon entgegen neun gegen neuen etwas davor etwas danach.
00:11:50: das ist so meine anfangszeit.
00:11:52: dann gehe ich erstmal hier natürlich in meinen Büro schreibt mein computer an.
00:11:57: Manchmal wäre ich dann schon auf dem Flur abgefangen.
00:11:58: Ach gut, dass sie schon da sind!
00:12:00: Ich habe meine Frage... Das
00:12:02: glaube ich.
00:12:03: ...versucht man das irgendwie freundlich zu beantworten oder zu fragen ob es noch fünf Minuten Zeit hat so lang?
00:12:09: Eigentlich checke ich dann meistens immer erst mal meine Emails.
00:12:11: Das macht, liest man aber so ein bisschen kursorisch nennt man das, dass man einmal durch geht zack-zak-zack ist da irgendwas ganz Schlimmes oder was ganz ganz wichtiges dabei nebenan nicht der Fall ist, dann klickt man einiges auch schon weg wo man so denkt ja gut es habe ich jetzt zur Grenze genommen muss mich nicht weiter verarbeiten und dann ja gut dann in den Kalender.
00:12:29: was sind für Termine?
00:12:30: Man muss schon sagen der Alltag einer Anschlussleitung ist stark davon geprägt damit dass man auf unheimlich vielen Terminen ist.
00:12:36: also Ich würde mal so sagen Ein Fünfzig Prozent eine Schreibtischstätigkeit, aber mindestens fünfzig Prozent.
00:12:42: Es gibt Tage, dass es sogar mehr.
00:12:44: Da ist man in Besprechungen, da ist man an Auswärtsterminen also bei der Sinnazverwaltung oder man hat Anstaltsübergreifende Besprechung und anderen Anstalten Stimmt sich ab.
00:12:53: sozusagen wird informiert.
00:12:56: So dann gibt es Tage.
00:12:57: da haben wir ein außerordentliches Vorkommnis.
00:12:59: Der Bericht muss dann er wird vorbereitet durch die Abteilungssicherheit Aber der geht dann über meinen Tisch und über den Tisch von meiner Vertreterin.
00:13:05: Das gucken wir uns an.
00:13:09: Das hatte ich eben vergessen.
00:13:10: Wenn ich Zeit habe, so in fünfzig Prozent der Fälle mache ich immer noch einen ersten Umweg über die Abteilung Sicherheit und stecke mal den Kopf rein ob irgendwas... war, was uns beunruhigen muss.
00:13:19: Es ist auch eine Vorkung.
00:13:21: Da fragt man schon mal wie war die Nacht vorher?
00:13:24: War alles ruhig oder der Spätdienst vorher so?
00:13:27: und dann geht es hoch, man checkt die E-Mails, man geht auf Besprechungen... Man macht ganz viel parallel.
00:13:33: also dass man so denkt ja ich mache das noch schnell und bin aber dann auch gleich zur Besprechung am Tag ist manchmal nicht so richtig planbar.
00:13:39: Es gibt auch Tage da denkt man heute ist das ein ganz ruhiger Tag eigentlich wenig besprechung einfach mal ein bisschen Aktenarbeit und dann kommt aber halt doch dieses jenes.
00:13:47: und aber wenn man ehrlich ist, also manchmal stöhnt man darüber so ein bisschen was wie denkt oh Mensch ich bin auch nicht mehr dreißig sondern jetzt auch schon über fünfzig.
00:13:55: dass man so denke könnte auch mal ein bisschen geordnete ablaufen dann denke ich wiederum ja das macht es natürlich auch spannend.
00:14:01: Also auch meine Kollegen wenn ich das mal sagen darf die meisten sagen eigentlich sie Sie sind nach wie vor auch noch so vielen ja immer noch zufrieden damit.
00:14:09: Ja sie können sich eigentlich auch nichts anderes vorstellen, vielleicht mal eine andere Ansteigte leiten oder so.
00:14:13: natürlich das ist immer auch nochmal so eine Option also dass Schöne eigentlich an dieser Tätigkeit des Anschatzleiter ist, dass man diese Vielfalt hat.
00:14:20: Man hat ein unheimlich... große Vielfalt bei den Kolleginnen und Kollegen.
00:14:23: Es sind eben so viele Berufsgruppen, das prägt ja so eine Umgebung.
00:14:27: auch ich bin hier eben nicht im Finanzamt wo ich relativ eine gleichmäßige Bedienstetenstruktur habe als Verwaltungsbeamte die eben Sachbearbeiter tätigkeiten übernehmen, die auch wichtig sind dass wir gar nicht klein reden aber im Justizverzog haben ebenso.
00:14:40: das ist so bunt wie das Leben eigentlich und das macht es dann eben hier auch nicht langweilig.
00:14:44: und natürlich auch die Gefangenen auch diese wenn man sich die ganzen Biografien unserer jungen Männer anguckt wenn man dann auch die Erfolge sieht, die wir hier so erzielen.
00:14:52: Und die Misserfolge gehören da irgendwie auch zu.
00:14:55: Das macht es eben so spannend und abwechslungsreich.
00:14:57: also viele sagen dann so ab einer gewissen Zeit verläuft ja der Verzuch so schnell dass man gar nicht mehr mitkriegt.
00:15:03: ich bin jetzt schon sieben zwanzig oder dreißig Jahre auf einmal hier und dann war aber noch ein Teil Kritik und Druck.
00:15:11: Also
00:15:11: die Drucksituation fange ich mal mit an die ist schon relativ hoch weil war man sich tatsächlich als Anschlussleiter.
00:15:17: Also ich war ja lange auch Verzugsleitern, wenn ich das mal so ein bisschen gegenüberstelle muss man schon sagen sie fühlen sich am Ende auch für alles verantwortlich dass alles läuft, dass nichts schief geht.
00:15:26: wir haben eben auch eine hohe Verantwortung der Gesellschaft gegenüber.
00:15:29: Ich möchte nicht in Lockerungen junge Männer Wo ich mich immer freue, wenn sie in Lockerung gehen.
00:15:35: Das freu ich mich wirklich.
00:15:36: je immer, wenn ich hier abends zur S-Bahn laufe und mir auf der Beusselstraße unsere Ausgänger zurückkomme Und dann freue ich grüßen und uns einen schönen Abend wünschen.
00:15:44: Aber ich möchte natürlich auch nicht das draußen was Schlimmes passiert.
00:15:47: Es ist eine hohe Drucksituation.
00:15:49: Es ist ne hohe Drucksituation, dass alle Stellen besetzt sind Dass die Kollegen sich irgendwie wohl fühlen Dass die Anstalt läuft Man fühlt sich... Aber so steht es auch im Gesetz und der Anschluss hat, er trägt die Gesamtfortung.
00:16:03: Das muss man wissen wenn man sowas übernimmt.
00:16:06: Das macht sehr spannend weil's einfach auch spannend ist Dinge zu gestalten.
00:16:10: aber die Drucksituation ist immens.
00:16:12: Man teilt sich das natürlich ein bisschen auf.
00:16:13: ich habe hier einen super Team also ich fühle mich hier sehr gut aufgenommen und auch unterstützt.
00:16:17: jeder an seinem Platz im Haus ist eigentlich die Gewähr für mich dass es läuft.
00:16:23: Das hatte ich vorhin nicht erwähnt, ich lese jeden Morgen auch die dienzlichen Meldungen hier.
00:16:26: Also der Gesamtanstalt das gehört auch mit zur täglichen Aufgabe.
00:16:30: da sehe ich halt den ganz vielen Meldung dass ich so denke.
00:16:32: also super die machen es einfach ganz gewissenhaft großes Thema Suizidprofilaxe wo der AVD hier Meldungs schreibt und sagt mir ist ja was aufgefallen.
00:16:41: das finde ich komisch.
00:16:43: dem müssen wir nachgehen und ohne das ging es auch nicht So.
00:16:48: und Kritik, das ist immer wenn man hohen Anspruch an sich selber hat.
00:16:52: Klar da muss man lernen auch mit Kritik umzugehen weil man manchmal Dinge vielleicht nach besten Wissen und Gewissen macht aber bei dreihundertdreißig Bediensteten und dreihundertsechzig Gefangenen der gute Sinn- und Zweck vielleicht gar nicht ankommt weil sie das vielleicht auch nicht erkennen konnten vielleicht weil man da auch unterschiedliche Vorstellungen hat oder so.
00:17:10: Kritik ist wichtig, ich finde immer in unserer Anstalt es gibt's eigentlich eine ganz gute Kritikkultur.
00:17:14: ja also ich nenne nun mal zum Beispiel die AfD-Konferenz das für mich eine der lebendigsten Konferenzen hier in der Anstaltung.
00:17:21: Weil alle zusammenkommen?
00:17:21: Weil alle zusammengommen und ich habe das noch nie erlebt dass man da in stumme Gesichter guckt.
00:17:29: Eigentlich wird da auch mal Tachlis geredet Und ich finde es, man geht eigentlich aber immer ganz lau nicht dabei raus.
00:17:35: Weil am Ende gibt's immer irgendwie auch eine Lösung.
00:17:37: Am Ende sagen dann auch Andochers ja kommen wir haben das so gemacht ihr könnt es vielleicht auch so machen und wenn es dann Kritik an der Anschatzleitung ist sich mal hier um Dinge zu kümmern die einfach nicht laufen dann ist es so.
00:17:46: bei Kritik muss man ein bisschen sportlich sein Das ist... Ich will nicht verhehlen dass ich manche Kritik manchmal mich ausfahre.
00:17:52: okay wo ist jetzt wirklich der kritische Punkt an der Situation die hier gerade als Kritik geäußert wird?
00:17:58: oder was ist mein Anteil daran?
00:18:01: Aber das gehört auch dazu, dafür werden wir eben bezahlt.
00:18:03: Also jeder der in so eine Führungsposition ist muss wissen dass man manchmal ein bisschen Blitzableiter ist wie die Drucksituation weil wir ja gerade über Mein-Druck gesprochen haben.
00:18:11: Die Drucksitationen in den Bereichen sind natürlich genauso hoch.
00:18:13: Auch da ist ein Riesendruck.
00:18:15: Die Gefangenen wollen gewisse Dinge einfach verwirklicht haben.
00:18:18: Der AVD Sozialarbeiter müssen das oft abfangen Die Psychologen müssen es oft abprallen irgendwie und dann kann's eben auch mal sein dass so eine Anschatzlatung ein bisschen der Blitzerbleiter ist für Zustände, die keiner von uns richtig ändern kann.
00:18:34: Aber die eben auch gerade belastend sind.
00:18:35: Also wir haben auch viele Einflüsse, die niemand von uns ändern kann... Das
00:18:39: stimmt!
00:18:40: Es gibt Einflüste von außen, die uns hier die Arbeit manchmal nicht sogar ganz einfach machen.
00:18:43: Die sind so wie sie sind.
00:18:44: mit denen müssen wir umgehen.
00:18:46: aber das haben wir eigentlich immer ganz gut so gelöst.
00:18:49: Bin ich ganz sicher am Ende.
00:18:50: Finde ich hoch
00:18:50: oder?
00:18:51: Finde Ich hoch?
00:18:52: Was war denn so die schwierigste Entscheidung der Laufbahn?
00:18:55: Ja meine Laufbahnen ja das ist natürlich Die schwierigste Entscheidung, man sieht es bezogen jetzt auf die Anstalt oder?
00:19:02: Na wo sie jetzt sage ich mal auch so ein bisschen sagen oh Gott da bin ich jetzt an einem Punkt dass man schon so bis an seine Grenze kommt.
00:19:08: Dass man vielleicht eine Entscheidung trifft wo man sagt das war schwierig und dann im Nachhinein nochmal drüber nachdenkt aber gab es mal irgendwas wo sie gesagt haben Das ist ne bringende Erinnerung gewesen.
00:19:18: Also eine der schwierigen Entscheidungen ist wir haben ja Wir haben angefangen die Anstattung umzubauen, auch der Not gehorchend.
00:19:27: Weil die Zahlen zurückgegangen sind im Jugendvollzug und teilweise im Erwachsenenvollzug aber auch ein Belebungsdruck herrscht die kriegen wir das hin, dass irgendwie einerseits die jungen Strafanstalt nach ihrem Konzept weiter in arbeiten kann.
00:19:39: Wiederum aber auch darauf ein bisschen achtet, dass sich die Auslastungszahlen hier auf einem ordentlichen Niveau bewegen und vielleicht auch der erwachsene Männer vorzuentlastet wird.
00:19:49: Ich habe immer hinter diesem Projekt gestanden weil ich so gedacht habe.
00:19:52: also erstens mal finde ich Menschen unter dreißig auch noch sehr jung.
00:19:55: die tollen Angebote, die wir in der Anschalt haben.
00:19:57: Die kann man diesen Menschen auch angedeihen lassen und wenn es dann die erwachsene Männeranstalten entlastet ist das auch gut.
00:20:03: Gleichwohl war das für mich natürlich immer so ein bisschen zwischen zwei Stühlen weil ich natürlich schon spürte dass viele Bedienstete aus guten Gründen, wenn man eben dreißig oder noch Jahre länger Jugendvollzug macht und dann bekommen auf einmal eine Klientel rein, die zwar noch jung ist aber wiederum nicht mehr jugendlich ranwachsend Dann verstehe ich auch, dass bestimmte Bedienste sagen Ich wollte eigentlich mal was anderes machen.
00:20:25: Ich habe den Beruf gewählt, weil ich mit jungen Menschen arbeiten wollte und nicht mit Jungen Erwachsenen oder Erwachsene.
00:20:31: Das war ein sowas... immer wieder eine schwierige Entscheidung dazu vermitteln zu sagen, ja das verstehe ich aber es ist trotzdem gut.
00:20:38: und auch noch außen zu signalisieren wir kriegen das hier hin.
00:20:41: Und nach innen auch zu signalizieren wir bekommen das hierhin.
00:20:44: Also das war schon ein gewisserweise eine Belastungsprobe dass mit der die Anstalt da nicht auseinander gegangen ist.
00:20:52: Aber auch da muss man was ich vorhin gesagt habe eigentlich sagen, dass ich mich da eigentlich immer unterstützt geführt habe.
00:20:57: also Auch jetzt dieser letzte Schritt, dass wir Haus sechs ja im Grunde noch umformiert haben auch zu einem junger wachsenden Untersuchungshafthaus.
00:21:04: Das hätte nicht geklappt wenn es nicht die Kolleginnen und Kollegen mitgetragen hätten also auch die große Gruppe des Allgemeinen Verzussdienstes, die uns da sehr unterstützt hat aber alle anderen.
00:21:13: Und trotzdem ist es immer wieder schwierige Entscheidungen weil man sich eben auch Sorgen macht.
00:21:18: Ja, fühlt sich die Anstalt gut damit und kriegen wir das hier hin.
00:21:21: Und es hat ja nicht nur Auswirkungen auf die Urhaft gehabt dieses neue System sondern auch auf alle anderen Bereiche.
00:21:26: Das steht die Ananstalt schon vor einer Herausforderung für die ich irgendwie gerade stehen muss.
00:21:31: Also immer nur nach Ausrüstung sagen ja das kriegen wir schon hin wenn's dann im Inneren irgendwie Probleme gibt ist auch zu kurz gedacht.
00:21:39: Gibt es Entscheidungen die Sie heute anders treffen
00:21:41: wollen?
00:21:44: Also es gibt sicherlich die eine oder andere Entscheidung sowohl bezogen auf Gefangene, wo man manchmal sagt da habe ich mich einfach auch geirrt.
00:21:50: Im Guten wie im Schlechten das passiert eben... Auch in Bezug auf unsere Kolleginnen und Kollegen, bei denen man ja auch die Personalverantwortung hat.
00:21:59: Da gibt's sicherlich auch immer mal die einen oder anderen Entscheidungen, die man einem guten oder schlechten auch falsch betroffen hatte.
00:22:04: Also ruhig dann hinterherdenken.
00:22:05: Aber
00:22:05: es gibt jetzt nicht wo Sie sagen, oh nee, dass hätte ich anders machen sollen?
00:22:08: Nein also da bin ich eigentlich relativ harmonisch mit mir.
00:22:11: Dann kann ich mir die Frage Was macht sie stolz in ihrem Job eigentlich Klemmen?
00:22:15: Weil die beantworten Sie mir hier fast in Ihrem Satz.
00:22:17: Also man merkt, dass Sie stehen absolut hinter Ihrem Job!
00:22:20: Sie lieben ihn also...
00:22:22: Ja vorallem will ich mir mal sagen am Freitag war der regiende Bürgermeister da und ich finde, da ist man schon auch sehr nervös als Anstaltleitung wenn so ein hoher Besuch kommt.
00:22:30: Die Justiz-Sanatoren hat ihn auch begleitet.
00:22:32: Frau Gerlach unsere Abstandsleiterin war mit dabei.
00:22:35: Und dann steht man ja gerade für seine Anstaltung.
00:22:37: irgendwie Der Besuch ging irgendwie nur anderthalb Stunden.
00:22:41: Gefühlt dachte ich, das waren fünf Stunden weil es wirklich so intensiv war und die sind rausgegangen.
00:22:45: und ich habe so gedacht was ist das für eine tolle Anstalt?
00:22:47: Was haben sie bedienstet?
00:22:48: Dann haben wir diese Anstall präsentiert.
00:22:50: Wir waren in der Schule, wir waren in einer Zweihundertwerkstatt, wir wahren im Haus eins... Das war so ein guter Tag.
00:22:57: man ist da so voller Elan raus gegangen.
00:23:01: Das muss man sich jeden Tag veraugen, wie gut es eigentlich ist.
00:23:05: Ja was man hier tut und wie gut man hier auch zusammenarbeitet.
00:23:08: Es ist halt auch schön das mal so von Ihnen zu hören weil so oft reden wir auch nicht ne?
00:23:11: So ist's!
00:23:12: Was macht für Sie denn eine gute Führung aus?
00:23:15: Also eine gute führung finde ich.
00:23:17: da gibt´s zwei Punkte die wichtig sind.
00:23:19: Das eine ist, dass man so ne klarer Gänder nach draußen hat.
00:23:23: Ich finde schon gut das.
00:23:24: man muss irgendwie auch zu gewissen Dingen seine Überzeugung darlegen und muss eine gewisse Überzeugungen beispielsweise dem Jugendverzucht gegenüber haben.
00:23:30: Man muss eben als Anschlussleiter deutlich machen was findet er denn wichtig am Jugendverzug?
00:23:35: Was findet er wichtig am Umgang mit jungen Menschen?
00:23:37: Was findet er wichtig auch zu den Fragen beispielsweise wir haben einen hohen Migrantenanteil bei uns in der Anstalt.
00:23:42: Was ist denn seine Haltung zum Thema wie integrieren wird die?
00:23:46: Das große Thema Abschiebung ist immer wieder auch so eine sehr kontroverse Frage, wo wir sicherlich als Verzug manchmal auch eine andere Meinung haben als die Gesamtgesellschaft.
00:23:54: Weil wir eben auch die Biografien nochmal ganz anders kennen.
00:23:57: Wir kennen eben die jungen Menschen, die hier von Abschieben bedroht sind und wo wir das eine oder andere mal sagen, ob das jetzt die richtige Entscheidung war?
00:24:04: Weiß ich nicht!
00:24:05: Wenn sie sich über uns gut entwickelt haben... Aber ich finde man muss deutlich machen das ist meine Agenda und für diese Themen und Überzeugung stehe ich ein.
00:24:15: Das andere ist, dass es manchmal ein bisschen anspruchsvoll, dass man natürlich Freiräumenschaft in der Anstalt auch im Beziehungen zu allen Bediensteten in der anstalt Freirömmenschaft zu sagen.
00:24:28: Es gibt einen großen eigenen Entscheidungsspielraum in den Bereichen und Arbeitsbereichen dieser Anstalt, denn sie können ja als Anschlussleiter nicht alles entscheiden.
00:24:37: Also erst mal wollen Sie das nicht?
00:24:38: Dafür reicht der Tag auch nicht!
00:24:40: Dafür haben Sie teilweise auch nicht die Sachkompetenz, weil es Dinge sind, die müssen vor Ort entschieden werden... Und da muss man ein ausgewogenes Verhältnis hinkriegen.
00:24:48: Ich bin jetzt kein Fan davon zu sagen ich dezentralisiere alles und ist von alle ganz eigenständig... also sie sollen eigenständiger arbeiten.
00:24:56: aber noch klar sein, wir stimmen uns hier ab zu gewissen Grundthemen.
00:25:00: Es muss so eine Grundagenda geben weil ansonsten gibt es nämlich auch keine Führung mehr.
00:25:04: wenn das also sowas habe ich teilweise auch schon selber als Bedienstete erlebt in den Behörden wo ich so dachte hier gibts keine leitung mehr weil ja jeder meint irgendwie er könnte die dinge einfach so entscheiden wie er denkt dass Ich denke, ich werde sie auch im Haus merken.
00:25:20: Wenn Sie da wünschen... Da brauchen Sie eine Leitung oder eine Agenda?
00:25:25: Das sind unsere Rahmen.
00:25:26: Darüber stimmen wir uns ab und danach arbeiten wir alle so.
00:25:30: Aber trotzdem ist wichtig, dass es einen Entscheidungsspielraum gibt.
00:25:32: Also das ist auch statistisch nachgewiesen, dass die Arbeitsbereiche, die den Bediensteten, den Kolleginnen und Kollegen keine Entscheidungsspielräume geben, dass diese Kollegen und Kollegen eigentlich unzufrieden sind mit ihrer Arbeit und auch krank daran werden wenn sie immer, wenn sie dreißig Jahre zu einem Beruf gehen müssen wo sie eigentlich sagen Ich darf hier nichts kreativ eigenständig entscheiden, ja.
00:25:51: Schön!
00:25:52: So jetzt werde ich mal wieder eine Frage so ein bisschen zusammen basteln weil sie immer sehr... also ich finde es super, also so flexibel und geil.
00:26:02: Was läuft denn im Allgemeinen Justizvollzugsdienst gut?
00:26:04: Und was gar nicht?
00:26:05: beziehungsweise Was würden Sie sofort ändern, wenn sie könnten?
00:26:09: Ja also das ist immer... Also ich finde gut dass die Frage mit dem Guten anfängt.
00:26:13: Was ich finde was in dieser Anstalt wirklich gut läuft, dass wir hier eigentlich eine sehr groß ansprechbare Gruppe im allgemeinen Vorzugsdienst haben, mit der man sich zu den Themen austauschen kann.
00:26:24: Ich habe das von schon gesagt, meine eine meiner Lieblingsbesprechen ist tatsächlich die Runde mit dem Allgemeinen Verzuchsdienst, diese AVD-Konferenz und Enti sicher.
00:26:32: Das ist ehrlich gesagt auch ein bisschen ein Novum in dieser.
00:26:35: Da habe ich so in anderen Anstalten auch noch nicht gehört, weil an dieser Besprechung nimmt ja die gesamte Anschatzleitung teil und diskutieren über die Dinge, die den Allgemeinen Versuchsdienst bewegen.
00:26:45: Und der AVD bei uns ist sehr kreativ, ist sehr ansprechbar, ist ja lösungsorientiert... Und ich finde, der hat diese Agenda eigentlich ganz gut verinnerlicht.
00:26:55: Ich merke zum Beispiel auch durch dieses neue Auswahlsystem im allgemeinen Verzugsdienst nach der Ausbildung, also nach der zweien Ausbildung dass sich für uns Menschen entscheiden die genau das auch sich wünschen.
00:27:04: Die eben sagen, ich möchte hier einbezogen werden und ich möchte auch gestalten können in den Häusern und sie beschreiben es eben auch so und sagen also in diesen Häusernen Das war immer so, dass man da sehr einbezogen wurde Dass man sich da Projekte überlegen konnte und dass keiner gesagt hat ne das machen wir nicht so.
00:27:22: Das war sehr gut.
00:27:25: Woran man immer arbeiten muss in jeder Anstatt ist der Austausch zwischen den Berufsgruppen.
00:27:29: Das ist natürlich hier in unserer Anstalt essentiell wichtig, AVD mit dem Sozialdienst und dem Psychologischen Dienst aber auch Werkdienst mit dem AVD, aber auch mit den Behandlungsdiensten.
00:27:42: Das ist immer eine Aufgabe und daher wird man höchstwahrscheinlich auch nie das Ideal erreicht haben.
00:27:46: Also ich stelle mich da jetzt nicht hin und sage, das ist ja alles super!
00:27:49: Also das läuft hier super.
00:27:50: die tauschen sich hier immer aus.
00:27:52: Die sind auch immer einer Meinung.
00:27:54: Es ist so nicht.
00:27:54: wir haben... Wir haben da immer noch aufgehalten das zu verbessern was mir auffällt in der Hauskonferenz zum Beispiel zwar in den Häusern dass das sehr muntere Gruppen sind also wirklich auch diskutiert wird.
00:28:09: Allerdings muss die Gruppe natürlich immer so ein bisschen auf sich gegenseitig achten, dass jeder auch mal zum Zuge kommt.
00:28:15: Gesundes Mitnämmer?
00:28:16: Genau!
00:28:16: Also jede Berufsgruppe, ob das jetzt die Behandlungsdienst sind, sozialer Psychologen oder der AVD, die müssen eben wissen, jeder kommt hier auch einmal mit seiner Meinung zum Zube, weil oft liegt ja die Wahrheit in der Mitte ist ich habe das selten erlebt, dass es einen richtig oder falsch gibt.
00:28:31: Es gibt für alles auch immer Gründe.
00:28:34: Wenn sich gefangen zum Beispiel, wenn wir beschweren und schreiben sie ein Brief dann so dann lade ich Sie entweder machen es die Breitleiter manchmal lade Ich mir auch selber ein weil mich das interessiert.
00:28:43: Und dann lasse ich sie den Sachverhalter stellen gucke ich mir so Pat an und manchmal stellen sich dann das was in dem Brief so beschrieben wurde im Nachhinein auch ein bisschen anders da und so stelle ich mir das halt auch in Hauskonferenzen vor dass jeder hat eben auch einen anderen Blick noch mal darauf und jeder hat auch andere Informationen.
00:28:58: Mir ist einfach nur wichtig, aber da mache ich mir in der Anstelle eigentlich keine Sorgen.
00:29:01: Wir haben auch eine sehr gute Gesundheitsquote.
00:29:03: deswegen mache ich mit Deswegen keine Sorge dass sich die Berufsgruppen hier nicht entzweien und auseinander dividieren.
00:29:08: Aber da sind wir glaube ich auf einem guten Stand.
00:29:10: also wenn Ich so erlebe wie sie ja auch im Alltag miteinander umgehen es wird hier viel gelacht.
00:29:14: das Jüngste verstorben hat mal gesagt sie hätte noch nie so Viel gelacht wie einer jungen straffern stallt
00:29:22: gleich
00:29:24: gänsehut Und natürlich streiten wir uns manchmal auch und sind manchmal auch vielleicht nicht gut aufeinander zu sprechen, weil man sich geärgert hat.
00:29:31: Man darf aber auch nicht vergessen dass die Hunderte Charaktere aufeinanders treffen.
00:29:35: Unglaublich!
00:29:35: Und dafür ist das wirklich ein gutes Klima.
00:29:37: Und dann finde ich diese Charakter der Jugend schwappt auf uns über.
00:29:42: Die Jugendlichen sind manchmal eben auch sehr launisch und da geht es auch hin und her.
00:29:45: Sie sind an einem Tag gut gelohnt oder am nächsten nicht so gut.
00:29:48: Das müssen wir alles auffangen...
00:29:49: Deswegen akzeptieren sie dies aber auch wenn es mal bei uns so ist.
00:29:52: Das finde ich sowieso gut.
00:29:53: Ich finde, man darf als Bediensteter – da spreche ich insbesondere die Kolleginnen und Kollegen in den Häusern – aber auch im Werkbetrieb, man dafür als Bediensteter auch mal suggerieren, mir geht es halt nicht gut oder?
00:30:03: Und
00:30:03: damit können sie rumgehen!
00:30:04: Bei mir ist jetzt hier auch meine Grenze erreicht.
00:30:06: Ja
00:30:07: genau.
00:30:08: Wie hat sich denn Ihren Augen der Justizverzug in den letzten Jahren verändert?
00:30:14: Also das ist natürlich eine Frage.
00:30:18: Er hat sich irgendwie verändert.
00:30:20: Ich finde immer, also muss das immer unter die Überschrift stellen.
00:30:25: Die Bedingungen draußen in der Gesellschaft ändern sich ja auch und natürlich ändert sich dann auch der Justizverzug.
00:30:29: Diese These heute ist alles schlimmer als früher, die teile ich überhaupt nicht.
00:30:33: Also heute vieles anders als früher?
00:30:35: Das stimmt!
00:30:36: Manches ist ein bisschen mehr formalisiert.
00:30:37: wir haben natürlich heute die elektronische Akte, also viele die das noch kennen ohne elektronischer Akte.
00:30:42: Wir sagen immer ja so früher da hatte man ja noch Zeit für Behandlungsarbeit und da musste man nicht so viel dokumentieren und schreiben.
00:30:48: Also ich wage das immer so ein bisschen zu bezweifeln, weil früher musste man auch Vorzugspläne schreiben.
00:30:53: Die Anforderungen früher waren nicht ohne... Auch zum Thema die Jugendlichen sind heute anders als noch früher.
00:30:59: Da hatte ich heute Morgen gerade einen Gespräch mit einem Sozialarbeiter, der schon lange hier arbeitet und gesagt hat, nee, das findet er eigentlich nicht!
00:31:09: Natürlich sind die anders, wir sind ja auch anders gewesen als unsere Eltern.
00:31:13: Aber anders impliziert für mich immer auf dieses Jahr schlechter und das finde ich eben nicht... Also die Arbeitsbedingungen sind heute nicht schlechter Und die Klientel ist nicht schlecht, dass sie es anders.
00:31:21: Wir haben andere Herausforderungen.
00:31:23: Das ist auch so was Ich find.
00:31:24: der Justizverzucht hat gelernt eigentlich ganz gut mit neuen Herausforderungen zu gehen.
00:31:27: wenn ich jetzt mal so für mich revue passieren lasse Ich weiß noch als ich in Tegel war da war ein Riesenproblem Anfang der zweitausender eine cherschehnische russischstämmige gefangene die da teilweise mafiöse strukturen versuchten aufzubauen.
00:31:42: in den anstalten.
00:31:45: das ist heute hat sich das eigentlich so ein stückweit gelegt.
00:31:47: das mag es immer im einzelfall noch geben aber dass es eigentlich eher weg.
00:31:50: in den neunzehren gab's einen starken rechtsradikalismus also viel mehr nazis auch auch ich glaube sogar auch in der jugend hier bei uns in der anstalt.
00:31:58: auch das ist eindlich bearbeitet.
00:32:00: von so.
00:32:00: heute geht das wieder so ein bisschen los.
00:32:01: radikalisierung an.
00:32:02: links und rechts haben eigentlich wieder so etwas dabei, auch politisch religiöser Extremismus.
00:32:10: Aber eigentlich schafft der Verzucht es immer ganz gut aufzufangen.
00:32:13: Ich habe am Freitag als der regierende Bürgermeister hier warbe ich gesagt, hier leben dreieinhalbfünfzig junge Männer mit ganz vielen ethnischen unterschieden, religiösen Unterschieden und es gibt manchmal ganz viel Bambule und wir haben ganz viele Dienstigmeldungen.
00:32:25: aber am Ende auf diesen achtzehn Hektar in Berlin kriegen wir das eigentlich irgendwie gemanagt und da denke ich manchmal sogar besser gemanagd als draußen in der freien Wildbahn.
00:32:36: Das ist doch eigentlich ein gutes Zeichen, dass wir das so hinkriegen.
00:32:38: Wow!
00:32:40: Also viel Input?
00:32:44: Wirklich wirklich viel In input finde ich total toll.
00:32:47: für Ich würde jetzt einfach nochmal so dass wir denn so langsam zu Fuß kommen hätte ich noch eine Frage was würden sie neuen Kolleginnen oder Kollegen im Justizverzugsdienst mit auf den Weg gehen?
00:32:58: also dass die hier einer Ob Verwaltung
00:33:01: oder allgemeiner Verzugsdienst lassen.
00:33:02: Das kann
00:33:04: man an jede Berufsgruppe richten, also jeder der hier in einer Anstaltarbeit hat eine sehr verantwortungsvolle Tätigkeit übernommen so und jeder muss sich auch Zeit geben.
00:33:13: Also ich habe... Ich nehme das manchmal selber auch an.
00:33:16: mir war dass mir Aussage kommen jetzt legt man Gang zurück.
00:33:19: Es sind vielleicht neue Mitarbeiter, die müssen auch erst mal Erfahrungen sammeln.
00:33:21: Die können noch nicht alles wissen.
00:33:23: Also gerade die, die vor Ort in den Häusern arbeiten... ...die haben da auch nochmal ganz andere Herausforderungen weil sie im Grunde um... Sie müssen ganz vielen Menschen gerecht werden.
00:33:31: Sie müssen ihren Vorgesetzten gerecht sein.
00:33:32: Sie müssten den Gefangenen gerecht worden.
00:33:34: Sie mussten ihrem Team gerecht und dann muss man einfach mal sagen,... ...die Kollegen müssen ja auch erstmal eine Chance haben auf selber Erfahrung zu sammlen.
00:33:42: Die müssen auch mal vor einer Tür laufen und so denken... ..."Miss das war jetzt echt falsch!
00:33:45: Das hätte ich doch vielleicht auf dem Rat des Kollegen hören
00:33:48: müssen!".
00:33:49: Also ich finde, wir alle jedem empfehle ich der eine hier anfängt sich erstmal Zeit zu geben die Dinge anzuhören.
00:33:55: Kein vorvor schnelles Urteil zu machen was ich manchmal so den Eindruck habe.
00:34:01: wer sich diese Zeit nicht gibt Der kann hier schlecht glücklich werden weil er hat einfach zu schnell die Schere im Kopf.
00:34:08: Ich habe hier den überwiegend Anteil der Kollegen versucht, hier wirklich was Gutes zu machen.
00:34:12: Und ich ärgere mich immer darüber wenn dann so manche hier nur ein paar Monate oder so reinschnuppern oder Wochen und dann meinen sie wüssten wie das alles geht und wie es besser gehen könnte.
00:34:23: Man muss sich einfach mal viele... viel Zeit gönnen, um das überhaupt das System zu verstehen.
00:34:29: Weil es ist so komplex und das lernt auch keiner von uns auf der Schule oder auf dem Studium.
00:34:34: Das ist eine ganz eigene Lebenswelt für sich.
00:34:36: und ja also das Wichtigste wäre mir eigentlich, sich Zeit geben einen klaren Verstand anzuwenden irgendwie auch menschlich zu sein.
00:34:43: ich finde einfach die Menschlichkeit empathisch
00:34:45: authentischer
00:34:47: also eigentlich so wie man es in seinem eigenen privaten Umfeld doch auch tun würde mit einer professionellen Nähdistance natürlich.
00:34:53: Ich bin wie Sie und ich, wir sind hier nicht die Eltern der Gefangenen.
00:34:57: Wir müssen irgendwie eine Nähe zulassen aber wir müssen auch distanziert sein zu sagen... Und hier ist einfach die Grenze!
00:35:02: Hier gibt es eben Dinge, die werden sie von mir nicht erfahren.
00:35:05: das erzähle ich Ihnen nicht.
00:35:06: Das ist meine private Sphäre so wie Sie die ja auch haben und trotzdem aber menschlich und freundlich zu sein.
00:35:12: Ja.
00:35:13: Das war ein sehr schönes Schlusswort.
00:35:15: Ich danke Herr Broschert.
00:35:16: Ich bedanke mich für Ihre Zeit und für dieses wundervolle Gespräch und dass Sie das mit mir gemacht
00:35:21: haben.
00:35:22: Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Tag und danke für den Kaffee.
00:35:28: Und das war es auch schon mit dem großartigen Interview von Nicole, mit Bill Borchardt!
00:35:33: Ich hoffe ihr hattet daran ebenso viel Freude wie wir und fandet es ebenso wie wir spannend auch einmal die Perspektive eines Anstahlsleiters auf den Berliner Justizvollzug zu erleben.
00:35:45: Wir haben uns jedenfalls sehr über dieses ausführliche Gespräch gefreut.
00:35:50: Beim nächsten Mal gibt es dann natürlich die versprochene und für diese Folge jetzt einmal zurückgestellte Verwaltungsfolge.
00:35:58: Ich würde mich freuen, wenn ihr auch dann wieder mit dabei seid und bedanke mich fürs heutige Zuhören.
00:36:03: Macht's gut da draußen!
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